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Anmerkung: Der hier abgedruckte Kommentar dient nur Ihrer Information und ist unabhängig
von der Meinung der VLK Schleswig-Holstein.

Heute ein Kommentar der “Welt” vom 08.03.2011:

Kommt es bei E10 zum Winterschlussverkauf?

Das E10-Superbenzin ist bisher schwer verkäuflich, aber es muss bis 30. April verkauft sein. Denn nur bis dahin darf die Wintersorte ausgeliefert werden.

Was passiert mit den riesigen, bislang nur schwer verkäuflichen Mengen E10-Bio-Super? Der Mineralölwirtschaftsverband schweigt zu der Frage bislang. Klar ist: Die Benzin-Branche steht auch deshalb so stark unter Druck, weil die sogenannte E10-Winterware längstens bis Ende April verkauft werden darf. Die Mineralölwirtschaft könnte deshalb auf großen Restbeständen ihres Ladenhüters sitzen bleiben.

Hintergrund ist die DIN-Norm 51626-1: Diese regelt, dass E10-“Winterware“ regulär zwischen dem 16. November und dem 15. März verkauft wird. Dann schließt sich eine Übergangsfrist bis zum 30. April an. Vom 1. Mai an darf die Branche nur noch die E10-“Sommerware“ an den Autofahrer bringen - bis zum Herbst, wenn wieder auf Winterware umgestellt wird.

Wichtigster Unterschied bei Winter- und Sommerware ist der Dampfdruck: Dieser beträgt im Winter bis zu 90 Kilopascal, im Sommer maximal 60 Kilopascal. Damit auch bei eisigen Winter-Temperaturen optimale Kaltstarts möglich sind, werden Winterbenzin zusätzliche flüchtige Substanzen zugegeben - sie sorgen für höheren Dampfdruck im Motor.

Nach wie vor fürchten viele Autofahrer, beim Tanken des neuen Super-E-10-Benzins ihrem Motor bleibenden Schaden zuzufügen. Zu Recht?

Was ist E-10?

Der Bioethanolanteil im Benzin von bisher fünf Prozent wird auf bis zu 10 Prozent angehoben. Daraus ergibt sich das Kürzel E-10, bei dem E für Ethanol und 10 für den Anteil zehn Prozent steht.

Welche Autos vertragen E-10?

Mehr als 90 Prozent aller in Deutschland zugelassenen Autos mit Ottomotor. Der Verband der deutschen Automobilhersteller gibt sogar für die inländischen Fabrikate eine Quote von 99 Prozent an. Je jünger der Wagen, umso wahrscheinlicher, dass er den neuen Sprit verträgt. Jede Tankstelle hält eine Liste bereit, aus der typgenau hervorgeht, für welches Auto E-10 geeignet ist und für welches nicht. Werkstätten und Autohäuser wissen ebenfalls Bescheid. Außerdem hat jeder Hersteller eine Telefonhotline eingerichtet, bei der Auskunft eingeholt werden kann. Im Internet steht unter http://www.dat.de/e10liste/e10vertraeglichkeit.pdf eine verlässliche, typgenaue Liste der Deutschen Automobil-Treuhand.

Ist E-10 teurer als das bisherige Superbenzin?

Nein. Aber der Verbrauch steigt nach Angaben der Hersteller etwa um rund zwei Prozent, mithin auch die Benzinkosten. Wer bisher zehn Liter auf 100 Kilometer verbrauchte, muss nun mit 10,2 Litern rechnen. Bei einem Literpreis von 1,50 Euro zahlt er also statt 15 Euro nun 15,30 Euro auf 100 Kilometer. Tankt er aber überflüssigerweise Super Plus für 1,55 Euro, so zahlt er für die 100 Kilometer 15,50 Euro.

Gibt es schon überall E-10?
Nein. Nach Auskunft des Mineralölwirtschaftsverbandes wird der Biosprit Anfang März von rund 45 Prozent der Tankstellen in Deutschland angeboten. In Norddeutschland mit Ausnahme der Region Berlin/Brandenburg sind die E-10-Zapfsäulen vorerst eher dünn gesät. Dort gibt es nach wie vor das alte (E-5-)Super.

Gibt es weiter das für alle verträgliche E-5-Benzin?

Ja, aber nur in Form des teuren Super Plus. Das Bundesumweltministerium hat eine flächendeckende Beibehaltung von E-5-Benzin vorgeschrieben. Wer also eines der wenigen E-10-untauglichen Fahrzeuge fährt, muss in Zukunft nicht befürchten, wegen Benzinmangels liegenzubleiben. Allerdings haben die Tankstellenbetreiber eingeräumt, dass in der augenblicklichen Übergangssituation die Super-Plus-Versorgung stellenweise nicht gewährleistet sein könnte, weil zu viele Autofahrer überflüssigerweise den teuren Sprit tanken und die dafür zu klein ausgelegten Bodentanks unter den Zapfsäulen nicht immer rechtzeitig nachgefüllt werden können.

Aktuell verkauft sich E10 katastrophal schlecht: Die Raffinerie PCK in Schwedt an der Oder beispielsweise, die den größten Teil der in Berlin verkauften Kraftstoffe produziert, sagte auf Anfrage des „Tagesspiegels“, derzeit werde nur ein Viertel der bestellten E-10-Menge abgeholt. Super Plus werde dagegen vier Mal so stark wie sonst nachgefragt.

Was soll nun mit dem eingelagerten E10 passieren? Den Winter-Sprit bis zur nächsten Saison einzulagern dürfte in der Praxis nahezu unmöglich sein – schließlich werden die Lager-Kapazitäten für Sommerware benötigt. Denkbar ist es dagegen, dass E10 in Superbenzin mit geringerem Ethanolgehalt umgewandelt wird – das ist allerdings aufwendig und teurer. Theoretisch denkbar wäre auch eine Art „Winterware“-Schlussverkauf – das Wort nimmt aber keiner der Beteiligten in den Mund. Noch nicht.

 

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